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Der Sommer des Großinquisitors – über die Faszination des Bösen

Der Sommer des Großinquisitors

Kulturgeschichte des Bösen

Helmut Lethen

Rowohlt Berlin, 2022 · Hardcover, 240 Seiten · ISBN 978-3-7371-0162-2

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Worum es geht

Im Zentrum steht eine Figur aus Dostojewskis Legende vom Großinquisitor, der den wiedergekehrten Jesus verhaften und wie die Häretiker verbrennen lassen will. Helmut Lethen macht diese Verkörperung kalter Macht zum roten Faden seines Buches und verfolgt sie durch die Kulturgeschichte. Er beginnt bei den Schwarzen Messen des Fin de Siècle, geht über den Kult des Bösen in den Avantgarden und bei französischen Nihilisten des Salons weiter und zeigt, wie der Großinquisitor als Denkfigur bei Max Weber, Carl Schmitt und Helmuth Plessner wiederkehrt. Auch in Arthur Koestlers Roman Sonnenfinsternis entdeckt er ein Echo dieser Gestalt, dort verknüpft mit dem Schrecken stalinistischer Verfolgung. So entsteht ein Panorama moralbefreiten Denkens, das eng mit den politischen Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts verwoben ist, von Nationalsozialismus bis Totalitarismus.

Aufbau und Stil

Der Band ist als Essay angelegt, der sich von einer literarischen Ausgangsfigur aus in immer neue Bereiche vorarbeitet. Statt einer linearen Erzählung bietet Lethen eine Folge von Lektüren, die Literatur, Philosophie und politische Theorie miteinander verschränken. Der Ton bleibt dabei genau und reflektiert, ohne auf begriffliche Schärfe zu verzichten, und verbindet historische Distanz mit spürbarer Faszination für seinen Gegenstand.

Für wen

Das Buch eignet sich für Leserinnen und Leser, die sich für Literaturgeschichte, politische Theorie und die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts interessieren. Wer sich mit Dostojewski, Carl Schmitt oder Fragen von Macht und Moral beschäftigt, findet hier reichlich Stoff zum Weiterdenken.

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