Historischer Familienroman
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Worum es geht
Die vierzigjährige Ilaria lebt ein geordnetes Leben in Rom, bis ein junger Afrikaner vor ihrer Tür steht und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. Sein Name auf dem Ausweis lautet Attilio Profeti – genau wie der ihres Vaters. Doch der alte Attilio schweigt. Ilaria beginnt zu graben. Sie stößt auf ein Netz aus Lügen, das ihre Familie über Jahrzehnte gesponnen hat. Der Roman spannt einen Bogen von Mussolinis Abessinienkrieg über die rassistischen Gesetze des faschistischen Italiens bis in die Gegenwart. Dort treffen die Folgen kolonialer Schuld und persönlicher Verdrängung aufeinander. Melandri erzählt von Schuld, Zugehörigkeit und der Frage, was es bedeutet, wenn die eigene Geschichte plötzlich Risse bekommt.
Aufbau und Stil
Der Roman verbindet drei Zeitebenen. Ilarias Gegenwart, die Erinnerungen ihres Vaters Attilio an seine Jahre in Italienisch-Ostafrika und die Perspektive des jungen Shimeta, der als Flüchtling nach Italien kommt. Diese Schichten verweben sich zu einem dichten Geflecht aus Familiengeheimnissen und historischer Aufarbeitung. Melandris Sprache ist präzise, manchmal fast kühl. Doch immer zeigt sie ein feines Gespür für die emotionalen Abgründe ihrer Figuren. Die Erzählweise ist chronologisch unterbrochen, aber nie verwirrend. Eher gleicht sie einem Puzzle, das sich langsam zusammensetzt.
Für wen
Alle, außer mir
ist für Leserinnen und Leser, die sich für historische Romane interessieren, die mehr sind als bloße Kulisse. Wer wissen will, wie Kolonialgeschichte bis heute nachwirkt und wie persönliche Schicksale mit politischen Verwerfungen verknüpft sind, findet hier eine packende Lektüre. Auch wer Familiengeheimnisse und Generationenkonflikte mag, wird von Melandris Roman gefesselt sein. Vorausgesetzt, man hat Geduld für eine komplexe, aber lohnende Erzählung.
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