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Der kleine Bruder – Roman

Der kleine Bruder

Deutscher Gegenwartsroman, humorvoll

Sven Regener

Eichborn, 2008 · Hardcover, 288 Seiten · ISBN 978-3-8218-0744-7

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Worum es geht

Frank Lehmann, ein Bremer mit unklarem Lebensplan, landet 1980 in Berlin-Kreuzberg, um bei seinem großen Bruder Manni unterzukommen. Doch der ist verschwunden. Oder heißt eigentlich Freddie und lebt in einem ganz anderen Kosmos, als Frank dachte. Statt einer Künstler-WG erwartet ihn ein buntes Durcheinander aus Hausbesetzern, Kneipenwirten, Punks und skurrilen Nachbarn, die ihn kurzerhand in ihre eigenen Pläne verwickeln. Eine Nacht voller Bier, absurder Diskussionen und falscher Identitäten wird zum Auftakt einer Reise. Auf dieser erfährt Frank mehr über seinen Bruder, die Stadt und sich selbst, als ihm lieb ist. Zwischen Sarkasmus und Situationskomik zeigt der Roman, wie man in einer Welt voller Selbstinszenierungen und halbgarer Ideologien plötzlich zum unfreiwilligen Teil des Ganzen wird.

Aufbau und Stil

Der Roman lebt von schnellen Dialogen, scharfem Witz und einer lockeren, fast filmischen Erzählweise. Die Handlung beginnt mit einer einzigen langen Nacht, doch mit dieser ist es nicht getan. Durch Rückblenden und assoziative Sprünge entsteht ein vielschichtiges Bild von Kreuzberg in den frühen Achtzigern. Regener setzt auf eine Mischung aus Alltagssprache, sarkastischen Pointen und absurden Situationen, die oft an Slapstick grenzen. Die Figuren sind überzeichnet, aber nie ganz ohne Tiefe. Gerade Frank, der naive Außenseiter, dient als perfekter Kontrast zu den selbstverliebten Großstadtbewohnern. Der Ton bleibt durchgehend leicht. Die Themen streifen zwischenmenschliche Beziehungen, Identität und die Suche nach einem Platz im Leben.

Für wen

Der kleine Bruder ist ideal für Leserinnen und Leser, die unterhaltsame, aber nicht seichte Literatur schätzen. Wer Herr Lehmann mag, wird hier ähnlichen Charme und Humor wiederfinden. Nur mit mehr Chaos und weniger Kneipenroutine. Auch für alle, die sich für die alternative Szene der Achtziger interessieren oder einfach eine Geschichte über das Erwachsenwerden zwischen falschen Erwartungen und unerwarteten Freundschaften lesen möchten, lohnt sich das Buch. Wer allerdings auf klare Handlungsstränge und harmonische Auflösungen steht, sollte sich auf ein paar offene Enden einstellen.

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